YAMAHA XS 1100 TURBO und KOMPRESSOR 
Kleine Einführung in die Bläser-Geschichte

Motoren wurden schon immer zu stärkeren Leistungen gezwungen, nur nahmen die Ausmaße der Motoren Anfang der 30er Jahren immer größere Dimensionen an, so das die Sportwagen zur damaligen Zeit immer größer, länger und schwerer wurden, damit diese Monster von Motoren auch noch darin Platz finden konnten.
Irgendwann ist man auf die Idee gekommen,  die angesaugte Luft vor dem Eintritt in den Ansaugtrakt zu bescheunigen und diese dann komprimiert dem Motor zuzuführen. Dadurch ergibt sich ein größeres Füllvolumen, ein besseres Zündmoment, eine Stärkere Motorleistung und die Motoren konnten kleiner gebaut werden, was auch dem Gesamtgewicht des Fahrzeuges zu Gute kam.

Mercedes und Bentley experimentierten zu ersten mal in der Fahrzeuggeschichte  mit kleinerer Motoren und versahen diese mit mechanisch angetrieben Luftverdichtern, auch Kompressoren genannt. Der Luft-Verdichter-Kompressor bestand meist aus 2 oder 3 Zahnradwellen, die ineinander greifen die angesaugte Verbrennungsluft im Kompressorgehäuse in den Ansaugtrakt des Motor pumpte und im Verbrennungsraum verdichtete. Leider waren die Kompressoren sehr schwer, verursachten starke Laufgeräusche und trugen nicht grade zum günstigeren Benzinverbrauch bei, so das sie bald nur noch im Rennsport zu finden waren.

Anfang der 50er Jahre trat mehr und mehr ein anderer Verdichter in die Motorengeschichte eine, der Anfangs in den Amerikanischen Trucks mit Dieselmotoren seinen Dienst versah und diese Motoren bis 100PS Mehrleistung verhalf. Dieser Verdichter (TURBO genannt) arbeitet anders als der bekannte Kompressor, obwohl beide im Prinzip das gleiche tun. Der Turbo ist kleiner und arbeitet quasi aus Abgasturbine. Abgehende Motorabgase treiben eine kleine Turbinenschaufel an, die auf ihrer Achse in zwei Kammern geteilt, ein anders Turbinenrad (je nach Typ und Motordrehzahl mit ca. 120.000- bis 300.000 U/min) antreibt, welches Ansaugluft in den Ansaugtrakt des Brennraumes pumpt und hier verdichtet. (Je nach Art und Auslegung des heutigen Motors zwischen ca. 0.20 und 1,80 Bar)

Auch in dem PKW Bau machte der Turbo nicht Halt und verhalf Mitte der 70er Jahre so manchen PKW (z. B. BMW, Renault, Saab) zu ungeahnten Motorleistungen. Leider waren diese Motoren sehr anfällig und hatten insgesamt nur eine kurze Lebensdauer. Den Höhepunkt im Motorsport erlebte der Turbo in den 80er Jahren. BMW brachte es in der Formel 1 fertig, einem 1.500 ccm Motor dank Turbobelüftung kurzfristig auf 1.200 PS auf zu blasen. In der damaligen DRM (Deutschen Rennsport Meisterschaft) mit 2.000 ccm Motoren und gut 800 PS brachte der Turbo auf Dauer wegen der hohen Entwicklungs- und Unterhaltkosten den Ruin in dieser Serie, was unter anderem dazu führte, das der Turbo weit gehenst im europäischen Rennsport verboten wurde, außer im Rallyesport, wo Turbomotoren mit Restricktoren (Luftmengenbegrenzer) die 2.000 ccm Motoren auf 300 PS aus bekannten Kostengründen Stand- und Wettbewerbsfähig halten. Aber ohne die Entwicklung im Rennsport wäre der Turbo heute für die Massenherstellung in der PKW-Industrie nicht denkbar. 

Die heutige Weiterentwicklung des Turbo´s zeigt, das grade im Diesel PKW und LKW ein Turbo nicht mehr wegzudenken ist und auch der Kompressor in modifizierter Form seine Wiedergeburt erlebt. Heute steht verstärkt der „TURBO-Intercooler“ (TURBO mit Ladeluftkühler) im Vordergrund. Hierbei wird die vom Turbo angesaugte Motorluft erst durch einen separaten Kühler geleitet und abgekühlt dem Motor zugeführt. Kältere Ansaugluft bereitet im Brennraum ein besseres Gas-Luftgemisch, so das eine stärkere Zünd- und Expositionsentwicklung entsteht. Bei normalem Turbo im LKW ca. 90 bis 110 Grad, beim Turbo mit Ladeluftkühlung ca. 50 bis 70 Grad.

VW erarbeitet sich sein eigenes Verdichtersystem, den G-Lader. Im Prinzip das gleiche wie beim Turbo, nur arbeitet hier statt der Turbinenräder eine Art flache Schneckenwelle. Diese System hat sich auch wegen der Kompaktheit nicht durchsetzten können. Anstatt des übliche Turbopfeifens, war nur ein sonores Rauschen zu hören, weshalb man die G-Lader Modelle von VW auch „Staubsauger“ nannte.

Mitte der 80er Jahre machte auch der Turbo nicht vor der Motorradentwicklung halt und Kawasaki, Yamaha und Suzuki brachten einige Modelle auf dem Markt. Über diese Motorradmodelle will ich erst gar nicht reden, sondern über die Maschine, die uns allen am Herzen liegt, der Yamaha XS 1100.

Findigen Tüftler war die Leistung unserer „Dicken“ einfach zu wenig, auch wenn sie schon 1200 ccm und mit anderen Feinheiten versehen waren. Der Turbo oder was anderes musste drauf.

Zum Beispiel ein Kompressor:


 


Auch in Amerika und Frankreich tauchen hier und da XS 1100 Turbos auf, über deren Leistung nur gemutmaßt werden kann, da sie auch dort eine Straßenzulassung haben. Bausätze von EPI, Garett, Luckason, Fischer oder anderen Marken wurden für ca. 900 Dollar angeboten und versprachen eine Leistung von ca. 150 bis 170 PS, also reiner Mord für das bekanntlich schwache Getriebe der XS 1100 !!!

Yamaha XS 1100 Turbos aus Frankreich:


Eine werksseitige Planung von Yamaha zu einer XS 1100 „S“ Turbo hat es schon gegeben und der Motor wurde 1980 in Osaka vorgestellt:


Auszug aus der Zeitschrift "Motorrad" 1980:

>Yamaha 1100 Turbo:
>Neue Spekulationen
>In Bologna überraschte Yamaha mit der XS 1100 Sport. Im japanischen Osaka durften >ausgewählte Händler den 1100er- "S" Motor mit Turbolader bewundern.
>Yamaha: „Wir werden als erster Großserienhersteller ein Turbo-Motorrad anbieten.!“
>Unwahrscheinlich allerdings, dass dem ohnehin schon kraftvollen 1100er-Motor >zusätzliche Turboleistung eingepustet wird.
>Produktionsplaner Paul Butler: „Turbo-Aufladung ermöglicht Mittelklasse-Motorräder die >Leistung eines Superbikes. Turbo-Motorrädern werden wohl hauptsächlich in der 500 >bis 650 ccm-Kategorie gebaut werden."

Wie wir es wissen, ist sie leider nie gekommen, sonder man brachte Mitte der 80er Jahre die XJ 650 Turbo auf den Markt, die sich aber nicht als „der Renner“ erwies.
Und so werden wir uns weiter an den seltenen XS 1100 Exemplaren erfreuen, wenn uns mal eine begegnen sollte..
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Verfasser dieser Seiten
Rolf Bannemann
(XS-Rolf)
2003