Was ist eine Yamaha XS 1100 ??

Da denken wir mal ganz einfach an einen großen schwarzen Raum und mitten drin steht ein größerer eckiger massiver Eisenklotz ....

Da die Japaner Ende der 70er eine andere Weltanschauung hatten als unser eins, kam der Nippon zu dem Entschluss das die Erde nicht rund sein kann, sondern eckig – also kantig und Rechteckig und genau nach dieser Einstellung entwarf der Kollege aus Nippon seine Umwelt. Alles bekam Kanten, Rundungen waren nicht mehr In.

.... und jetzt wieder zu diesem Eisenklotz.
Suzuki und Kawasaki hatten es schon vorgemacht (nur bei Honda war die Erde noch rund) und so sprach Yamaha zu seinen Konstrukteuren: „Nehmt euch Fräsen, Feilen und schafft aus dem  Eisenklotz  ein Werk für die Ewigkeit!“

Das haben sie dann auch gemacht und so entstand die Yamaha XS 1100 mit eckigem Scheinwerfer, Blinker und Armaturen .... aber anscheinend hegten die Konstrukteure doch einigen Zweifel an der eckigen Nippon-Weltanschauung und verpassten der XS 1100 noch so einiges an angenehmen Rundungen.

Das mit der Entstehung aus dem Eisenklotz hätten europäische Konstrukteure mit Sicherheit aus Aluminium oder leichten Werkstoffen erreicht, aber der Nippon hat´s nun mal aus Eisen gemacht und drum ist die XS 1100 auch so schwer.

Geschaffen hat Yamaha somit ein Monument, fast unzerstörbar und gebaut für die Ewigkeit. Danke Yamaha !!

.... und was haben wir davon ?
Seit über 30 Jahren gibt es nun diese „Urmutter aller Bigbikes“ schon und erfreut trotz ihrer manch üblen, markanten Fahreigenschaften (die man aber einigermaßen ausmerzen kann) viele eingefleischte Enthusiasten noch Weltweit.

Die von Yamaha angegebene 95 PS sind leider ein Wunschdenken, die Leistungsstreuung tummelt sich irgendwo zischen 75 und 85 PS, aber dafür hat die XS 1100 bis heute immer noch ein sehr gutes Drehmoment von 93,0 Nm bei 6250/min. Mit dieser Leistung kann man heute noch den einen oder anderen neumodischen Konkurrenten an der Ampel stehen lassen.

Ok, Ok .... unten herum geht da wirklich was, auch im oberen Drehzahlbereich geht es auch noch flott zur Sache, es liegt aber daran welche Auspuffanlage man sich gegönnt hat. Original ist immer noch der Beste und bei den Zubehörtüten, egal ob 4-2 oder 4-1, geht da an Drehmoment einiges flöten. Einiges heißt zum Beispiel bei einer BSM 4-2 Classic auf dem Prüfstand gegen eine originale 4-2 gemessene satte „13 PS“ die da im mittleren Drehzahlbereich einfach nicht mehr vorhanden sind. Da kann man noch so oft versuchen am Vergaser herum zu fummeln, einzustellen und dran drehen, bei den 4-1 kommt die Leitung dann ehr oben herum besser, dafür gibt es dann bei ca. 2.500 U/min das bekannte Leistungsloch. Daher ist die Originale Auspuffanlage heute Gold wert und für die Motorcharakteristik einfach das Beste.

Motorcharakteristik ..... der XS 1100 Motor hat ehr den Charakter eines grobschlächtigen Automotors als den eines Motorradmotors.
20-200-20 ist hier maßgebend für eine längere Laufleistung angesagt. Das heißt: 20 min. verhalten Warmfahren, dann kann man mit 200 km/h über die Bahn blasen und danach 20 min. den Motor verhalten Kaltfahren. OK, es muß ja nicht 200 km/h sein, der Eisenhaufen schafft ja auch noch mehr, aber wer das auf einer unverkleideten Elfer 10 min. lang versucht hat eh 2 Probleme ..... das Fahrwerk und die Nackenschmerzen danach.

Ansonsten gibt es an diesem Motor nicht viel auszusetzen wenn man ihn vernünftig nach Vorgaben pflegt und hegt, außer man ist  Digitalgasfahrer !!
Dieser kennt nur die Gasgriffstellung „Voll auf – voll zu“ und das egal ob der Motor kalt oder warm ist. Dieses wird dann im laufe der Zeit mit Kolbenfresser, Lagerschaden und das bekannte Getriebe Problem mit dem herausfliegen des 2. Gangs belohnt. In diesem Falle halten die nicht weit genug ineinandergreifenden Schaltklauen den Drehmomentdruck nicht mehr stand und springen auseinander. Danach wird’s dann richtig teuer, denn neue Gangräder gibt es bei Yamaha nicht mehr.

„Drehmomentdruck“ – nettes Wort, aber es stimmt. Wer eine mal seine Elfer beherrscht wird schnell damit zurechtkommen diesen Eisenhaufen auch Schaltfaul bewegen zu können.

Mit 50 km/h im 5. Gang bei ca. 1.000 U/min durch die Ortschaft und dann am Ortsausgang ohne herunter zu schalten wieder durchzugskräftig ohne Murren zu beschleunigen – das war und ist immer noch eine Spezialität der Elfer. Das hat jetzt nichts mit Spritsparen zu tun, denn der Verbrauch der XS 1100 tummelt sich nach Fahrweise und Pflegezustand zischen 6,5 und 10 Liter Normalbenzin. Leider gibt es den „normalen Cocktail“ nicht mehr und so müssen wir zu der Supersuppe mit E5 greifen. Von der Plörre mit E 10 Verschnitt sollte man die Finger lassen, denn dieses greift die Vergaserbänke mit Dichtungen und Schläuche aggressiv an.

Wenn man als Neueinsteiger die Elfer ans rollen bekommt, wird er schnell vieles auf einmal feststellen müssen:
Schwer zu rangieren, schwerfälliges, kopflastiges und träges Fahrverhalten mit hohem Aufstellmoment, was eine strenge und kräftige Hand braucht, aber im ganzen sehr bequem ist. Man sitzt auf dem Klotz einfach gemütlich, obwohl der Kniewinkel sehr hoch ist. Der Sozius wird quasi mit einem Sofa belohnt, gemütlich und breit. Somit wäre die Frage nach Sportlichkeit schon mal bei den Standardtypen 2H9 und 3X0 schon mal geklärt, aber dafür haben die Japaner ja noch die  XS 1100 S - kurz 5K7 - nachgeschoben.
Von Sportlichkeit ist das Teil aber auch noch weit weg, obwohl die bildliche Ansicht schon rassiger ist .... Ok, etwas Sportlicher !!

Wer mit seiner Standard damals standardmäßig das erste mal mit flotten Tempo über die Bahn gegangen ist, wird irgendwann mal bei der ersten langgezogenen Kurve so bei 160 km/h einen platzsparenden Blick bekommen haben. Plötzliches Fahrwerkspenden setzt ein, man braucht jetzt alle 3 Fahrspuren und hinten in der Hose wird’s verdammt eng !!!
Das gleiche konnte auch auf gerader Strecke passieren, Hauptgrund dafür waren die damaligen bescheidenen Reifen, Lenkkopflager und Stoßdämpfer.
Der Umbau u.a. auf modernere Reifenpaarungen, Konidämpfer mit Zug- und Druckeinstellung sowie besseres Lenkkopflager, vielleicht noch einen unteren Gabelstabilisator brachte erhebliche Fortschritte und Ruhe ins Fahrwerk.

Das Fahrverhalten der Elfer – vornehmlich der Standard – kann sich auch zum positiven verändern. Nicht unbedingt durch technischen Eingriff, aber mit Zuladung und davon kann die dicke Madam reichlich bunkern. Mit angebautem Koffersatz, Zelt, Gepäckrolle, die Frau aufgesessen, ab auf die Autobahn und die Dicke ist in ihrem eigentlichen Element. Mit 160 km/h auf die linke Spur und ab Richtung Süden, dafür ist dieser Langstreckenbomber ehr gebaut worden, als irgendwo in Serpentinen Knieschleifer zu spielen. Sitzt jedoch ein Sozius hinten auf der Bank und dieser auch noch mitspielt, wird man schnell merken, das dieser Eisenhaufen recht flott durch die Berge zu dreschen ist, Kurvenfahren machen dann Richtig Spaß, Madam ist recht Zielgenau einzulenken, reinfallen lassen und mit Gas wieder heraus.  

Allerdings hat der Spaß auch irgendwann ein Ende, den das Kurvenschraddeln mit oder auch ohne Zusatzgewicht verbraucht reichlich Energie ..... nicht nur der Elfer, auch dem untrainierten Fahrer fällt das Biertrinken nach einer 400 km Tour reichlich schwer. Man ist einfach Platt – Elferfahren ist wirkliche Arbeit – aber eine Arbeit die Spaß macht !

Aber trotz alle dem sollte man nicht vergessen, das diese Konstruktion aus den späten 70er stammt und das so ein Eisenhaufen auch mal gebremst werden will. Die Bremsen sehen zwar schon wuchtig aus und erwecken den ersten Eindruck das diese mit ihren für die damalige Zeit großen und wahrlich dicken Bremsscheiben Richtig was können, aber der Eindruck trügt. Bremsen tun sie schon, aber es fehlt einfach der Richtig Kräftige Biss die Fuhre – vor allem voll beladen – an den nötigen Stellen, in verschiedenen Situationen,  zufrieden zum Halten oder Anbremsen zu bekommen.

Wer noch mit alten Gummibremsschläuchen unterwegs ist 
 
- Yamaha gibt eine Haltbarkeitsdauer von max. 6 Jahren vor, Datum der Herstellung steht auf den Schläuchen    sollte sich mal Gedanken darum machen seiner Gesundheit etwas gutes zu tun und der Madam neue Stahlflex-Bremsleitungen z.B. von Lucas, Spiegler oder Melvin zu spendieren. Letzter genannter ist am günstigsten und liefert mit ABE aus. Und wenn man schon dabei ist, könnte man gleich einen Rundumschlag machen, vernünftige organische Bremsbeläge z.B. von Brembo, Überholung der Bremssättel, Kolben, Gleitlager/Bolzen, sowie neue Bremsflüssigkeit wirken Wunder. Wer soweit den Kram schon zerlegt hat, sollte noch einen Schritt weiter gehen und sich der Funktionsfähigkeit/Überholung der Vordergabel und dem Lenkkopflager widmen. Informationen dazu kann man sich aus dem www.XS 1100-Forum.de erfragen oder zusammenlesen.

Wenn alles bestens erledigt ist spielt natürlich die Reifenfrage eine große Rolle um mit Madam Richtig Spaß zu haben. Für viele XS Fahrer hat sich als bester und perfekt passender Reifen für die Elfer der Bridgestone Battlax BT 45 herausgestellt. Wenn man sich an die Reifendruckangaben des Herstellers – vorne 2,6 und hinten 2,9 Bar – hält, wird auf Touren egal bei welchem Wetter mit diesem Reifen und der Fahrbarkeit voll auf seine Kosten kommen.

In Gegensatz zu moderneren Motorrädern, wo das Fahrverhalten ehr Digital ist, so nach dem Motto „Kurve geht voll oder Kurve macht Bruch“, spricht Madam mit dem Fahrer. Voraussetzung ist natürlich das der Fahrer nötigen Respekt und einen Einigermaßen  funktionierenden „Popometer“ hat. In brenzlichen Situationen wo der Grenzwert der Madam überschritten wird und der Popometer zum zukneifen neigt, wird die Elfer es dem Fahrer dann schon kundtun, ihm innerlich warnend sagen: „ Hör mal zu Kumpel, das war haarscharf  am Lackaustausch. Das nächste mal wenn du noch so eine Aktion reitest gibt es Bruch. Da spiele ich dann nicht mehr mit !“  ..... und so ist es dann auch !!

Wer kauft sich heute noch eine XS 1100 ??
Einige kommen dazu wie die Jungfrau zu dem Kind, also Zufall.
Andere suchen für kleines Geld eine große Maschine und stoßen zwangsläufig auf die Elfer,
doch der größte Teil möchte sich seinen Jugendtraum erfüllen, nachdem er die Kinder groß und das Haus abbezahlt hat. 
Der Jugendtraum ..... in der damaligen Zeit als Jungbiker mit kleiner 27 PS Karre,  der sich die Nase an der Schaufensterscheibe eines Yamahahändlers platt gedrückt hat und davon geträumt hat dieses Monster da hinter dem Fenster eines Tages besitzen zu dürfen, oder so hart werden wie Rocker die damals mit ihren Elfern die Eisdielen belagerten und ständig tolle Weiber mitschleppten !?

Da gibt es aber auch noch die Jungbiker der heutigen Zeit, die sich von ihrem Vater, Onkel oder Freunden haben anstecken lassen so ein Teil ihr Eigen zu nennen. Und wenn da auch noch eine hübsche Sozia sich auf der bequemen Sitzbank lümmelt und sie die neidischen Blicke der Mitfahrerinnen der Tourkumpels  erntet , die hinten auf dem Plastikrenner in einer Stellung wie auf einem Kinderklo hocken, dann ist das Geplärre gleich da, das sie auch auf einem Sofa sitzend fahren wollen. Also eine XS 1100 !!!  ;-)

Auch wenn der oben genannte Spritverbrauch heute absolut nicht mehr Zeitgemäß ist, so ist das Fahren eines solchen Motorrades ein Hobby, ein teures aber sehr schönes Hobby.
Und diese Hobby genieße ich, auch wenn ich die Madam manchmal verfluche, weil sie auch mal eine verdammte Zicke sein kann .... aber ich liebe sie vielleicht genau deswegen !! ;-)

 

Verfasser dieser Seiten
Rolf Bannemann
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